Die neuroprotektive Wirkung von traditionellen Chinesischen Arzneipflanzen in verschiedenen Parkinson-Model-Systemen

Die Parkinson Krankheit ist eine der am häufigsten auftretenden neurodegenerativen Erkrankungen. In Deutschland liegt die Zahl der Betroffenen ca. zwischen 150.000 und 300.000. Die Parkinson-Krankheit ist durch das Absterben von Nervenzellen im zentralen Nervensystem gekennzeichnet, die den Neurotransmitter Dopamin erzeugen. Dopamin ist im Zusammenspiel mit anderen Neurotransmittern für die Steuerung von Bewegungsabläufen verantwortlich. Das Absterben der Dopamin-Produzierenden Nervenzellen bringt das Gleichgewicht der verschiedenen Neurotransmitter durcheinander, wodurch es zu den für diese Erkrankung typischen Symptomen (Bewegungsstarre, Muskelstarre, Zittern sowie eine instabile Körperhaltung) kommt. Die genauen Ursachen der Erkrankung sind bis heute noch nicht vollständig aufgeklärt, es wird aber angenommen, dass Parkinson eine multifaktorielle Erkrankung ist.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es keine etablierte Behandlungsmethode die das Absterben der Dopaminergen Nervenzellen verlangsamen oder stoppen könnte. Die  Behandlung erfolgt überwiegend mit Dopaminverbindungen und Medikamenten, die am Dopaminrezeptor wirken (Dopaminagonisten). Jedoch können diese Medikamente lediglich die Symptome verringern und die Einnahme führt häufig zu unerwünschten Nebenwirkungen.

Neue Behandlungskonzepte werden aus diesen Gründen dringend benötigt.

Das HanseMerkur Zentrum für TCM am UKE erforscht in Laborstudien die neuroprotektive Wirkung von traditionellen Chinesischen Arzneipflanzen in verschiedenen Parkinson-Model-Systemen. Dabei konnte bereits nachgewiesen werden, dass der Extrakt von Coptidis Rhizoma dopaminerge Nervenzellen vor aggressiven Sauerstoffverbindungen schützt, deren Energiehaushalt verbessert und so das Absterben der Nervenzellen wesentlich verringert. Weiterhin gelang es uns den Hauptwirkstoff zu identifizieren und eine fundierte Hypothese bezüglich des Wirkmechanismus aufzustellen.

Wir erwarten, das die Kombination von Coptidis Rhizoma mit anderen Arzneipflanzen, oder einige der Inhaltsstoffe dieser, die Protektive Wirkung additiv oder synergistisch steigern kann, das Absterben dopaminerger Nervenzellen noch mehr verlangsamt und eine zügige Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen bewirkt. In Kombination mit der klassischen medikamentösen Behandlung könnte der Extrakt von Coptidis Rhizoma dazu führen, dass die klassische Medikation verringert werden kann, was wiederum die Nebenwirkung dieser Medikamente abschwächt und die Lebensqualität der Betroffenen Menschen weiter steigert. Ein wichtiger Aspekt dieser Studie ist, dass Parkinson-Patienten sofort die Möglichkeit haben, von den gewonnenen Erkenntnissen zu profitieren.

Ziel unserer Forschung ist nicht ein Pharmazeutikum, sondern ein Pflanzenextrakt, den sich die Betroffenen ohne großen Aufwand und für wenig Geld in qualifizierten Apotheken herstellen lassen können.

Projektleiter: Dipl. Biol. Thomas Friedemann, HanseMerkur Zentrum für TCM am UKE